LACK (2): Sei cool wie die Bundesregierung und sage: „Tourismus und Gastronomie: Ist mir scheißegal! „

Werte Bundes und Landesregierungen,

habt Ihr Lack gesoffen? 

Pardon, das musste mal raus. 

Das ist unverschämt von mir, denn es ist eine wirklich grausame Zeit. Die Corona Pandemie ist die größte Umweltkatastrophe, die unsere Zeitgeschichte je gesehen hat. Sie bedeutet viel menschliches Leid und Corvid 19 ist eine ernstzunehmende Gefahr, gerade für eine Risikogruppe. 

Ihr müsst jetzt viel bisher „nie Dagewesenes“ entscheiden. Und ich erkenne das ohne Probleme an, befolge seit sieben Wochen alle eure Entscheidungen (ok, ein, zweimal habe ich im privaten Bereich gemogelt). Auch wenn ich einige von euren Regeln nicht nachvollziehen kann, müssen wir uns der Sache unterordnen. Selbst bei den m. E. übergriffigen Entscheidungen, die meine Grundrechte als Bürger angehen.  Ich weiß das weder Ihr noch sonst jemand „Schuld“ an dieser besonderen Situation ist. Grundsätzlich würde ich sagen: können wir ausnahmsweise mal so machen. Aber – so wie Ihr das durchziehen wollt, puuh – wirklich schwierig.

Und ich weiß, dass diese Situation jenseits von Erkrankung und Tod auch für jeden von uns wirtschaftliche Opfer im Privaten und im Geschäftsleben mit sich bringen wird – (wenn Ihr mir die Spitze erlaubt: Für euch natürlich nicht, Diäten und eure „Rente“ sind safe). 

Und ja, ich spreche euch hier als Unternehmer an, als Gastronom, wohl wissend, dass es noch viele Branchen gibt, denen es auch nicht gut geht, oder sogar noch schlimmer – viel schlimmer – hallo Ihr Messe-Veranstalter, Festival-Betreiber, Schausteller und ein Kuss an die Reisebranche) 

Aber, mal im Ernst:

Seit sieben Wochen habt Ihr durch die Anordnung der Schließung der Betriebe allen Gastronomen fast jegliche Möglichkeit genommen, Umsatz zu machen bei Weiterlaufen der Kosten. Ok. Ich habe die angeordnete Schließung in meinen beiden Lokalen sofort am 15. März umgesetzt. Völlig in Ordnung. Keiner von uns wusste zu diesem Zeitpunkt was Sache war.

Im März ist Peter Altmaier durch die Talkshows gesprungen und hatte schamlos gelogen:“Niemand wird arbeitslos – kein gesundes Unternehmen wird pleite gehen.“

Seriously? (Gut, ich habe Herrn Altmaier nie nach seiner Definition von „gesund“ gefragt)

Seit sieben Wochen warten nun ca.200.000 Gastronomie Betriebe und 2,4 Millionen Arbeitnehmer auf ein Lebenszeichen von Euch. Es kommt für die Gastronomie nicht. Ein versteckter Mittelfinger vielleicht. Und da beginnt meine Kritik.

Ca. vier Wochen lang wurden bei den regelmäßigen Pressekonferenzen von Bund und Ländern die Gastronomie nicht einmal erwähnt bis auf die Verkündung der Schließung zu Beginn. Beim Thema Gastronomie hieß es lediglich, und auch nur auf konkrete Nachfrage, „Schauen wir mal!“

Vor zwei Wochen dann, schaffte es der DeHoGa ein paar Pressemitteilungen groß zu machen: „Uns drohen in sehr kurzer Zeit mindestens 30 Prozent Pleiten aller Gastronomie-Betriebe, ca. 70.000 in Deutschland.“ Zum erstmal gab es in den Medien ein „Ach ja, was ist eigentlich mit der Gastronomie?“.

Olaf Scholz reagierte schnell und PR gerecht. Zwei Tage später publizierte er das Rettungsangebot für die geschlossene Gastronomie: 7% Mehrwertsteuer auf alle Speisen, gültig für zwölf Monate.

Über soviel offensichtliche Missachtung und minimale betriebswirtschaftliche Intelligenz, kann man sich nur aufregen (habe ich hier auch: https://www.youtube.com/watch?v=hcaIpVctkog&t=25s )

Die sich zu dem „Hilfsangebot“ ergebenden Fragen sind eurerseits nach wie unbeantwortet:

  1. Was helfen 7% Mehrwertsteuer bei 0% Prozent Umsatz?
  2. Was helfen 7% einem Großteil an Gastronomie-Betrieben wie Kneipen, Clubs, Bars die einen verschwinden geringen Teil Speisen verkaufen? 
  3. Was helfen 7% Hotels, die einen Großteil ihres Business bereits mit 7% versteuern?
  4. Was helfen 7% den professionellen Caterern die in der Regel überwiegend mit gewerblichen Kunden arbeiten, sprich B2B, wo die MwSt keinen Effekt hat? 
  5. Was hilft uns die MwSt Senkungen für einen Teil unseres Umsatzes (Speisen) wenn davon auszugehen ist, das wir viele Monate mit nur 20%, 30%, 50% des vorherigen Umsatzes erwirtschaften?
  6. Was helfen die 7% „für 12 Monate“ wenn wir mit viel Glück im zwölften Monaten bei gutem Verlauf einen Vorjahresumsatz von 70-80% erreicht haben? 

Also eurer Entschädigungs-Angebot bringt nahezu nichts! Das ist betriebswirtschaftliches Grundwissen. Falls ich das falsch sehe, bitte ich um Aufklärung.

Soviel zu Euren Hilfsangebot. Und seit sieben Wochen keine Aussage zu „unseren“ Perspektiven. Wann geht es weiter? Und wie? Gestrige Pressekonferenz von Bund und Ländern zum Thema Gastronomie: Antwort: „Schauen wir mal“…

Und hier kommt mein zweiter Kritikpunkt:

Warum wird unsere Branche ungleich behandelt? Warum ist eure Meinung über unsere Branche so schlecht. Und warum kommuniziert Ihr unsere Branche in der Öffentlichkeit als unseriös?

Also: Fragen an die Regierenden:

  1. Warum öffnen seit Wochen z.B. Baumärkte und seit kurzem der gesamte Handel, wenn auch mit entsprechenden Auflagen? Die Gastronomie wird nicht einmal angesprochen oder der Versuch unternommen, hier eine absolut machbare Gleichbehandlung vorzunehmen?
  2. Warum redet Ihr seit sieben Wochen über uns, aber noch in keinem Bundesland mit uns?
  3. Warum dürfen z. B. Kantinen, die wie ein Restaurant funktionieren, mit entsprechenden Auflagen öffnen, Gastronomie aber nicht?
  4. Warum bevormunden uns die Regierungen und traut uns keinen geregelten Umgang mit Kunden/Gästen unter entsprechenden Auflagen zu, wie sie es jedem Handelsunternehmen zutrauen?
  5. Die Gastronomie ist schon lange eines der wenigen Kundengewerbe, das ohnehin mit strengen Hygienevorschriften arbeiten muss. Warum werden wir benachteiligt, wo wir doch die einzigen sind, die auf diesem Gebiet jahrelange Erfahrung mitbringen? 
  6. Warum stellen die Regierenden auf Pressekonferenzen zusehens die Gastronomie negative und nicht vertrauensvoll dar? Insbesondere Herr Markus Söder der uns mit seinee Vorstellungskraft die Gastronomie auf „Ischgil“ und Volksfeste begrenzt und der unsere Branche den verantwortungsvollen Ausschank von Alkohol nicht zutraut?

Diese Ungleichbehandlungen von +200.000 Arbeitgebern und +2,4 Millionen Angestellten ist weder nachzuvollziehen, noch rechtens.

Werte Regierende, Sie müssen was die Gastronomie angeht dringend handeln:

Wiedereröffnung:

  1. Grundsätzlich: Sie müssen MIT UNS SPRECHEN. Nicht mit vermeintlichen EXPERTEN über uns. 
  2. An die Landesregierungen: Laden Sie auf Landesebene an“Runde Tische“ und zwar die Gastronomen und nicht die Verbände, Lobbiesten und „Experten“. Wir haben gute Ideen und sind bereit. Am „runden Tisch“ sind erfolgreicher Unternehmer aus allen Gruppierungen der Gastronomie wichtig: Kneipen, Bars, Clubs, Hotels uvm.
  3. An jeden Tisch gehört selbstverständlich auch ein Virologe und/oder Infektions-Beauftragter, die mit uns „Praktikern“ gemeinsam mögliche Regelungen erarbeiten, und uns diese möglichst umgehend umsetzten lassen
  4. Sie müssen DRINGEND aufhören, das Gastgewerbe in der Öffentlich als unzuverlässig darzustellen, insbesondere Markus Söder muss hier mal in sich gehen.
  5. Wir brauchen eine planbare Perspektive. 

Entschädigung und Hilfen

  1. Oft erwähnte Kredite und Stundungen helfen nur, wenn es eine planbare Perspektive gibt, ob sich Gastronomie und Gastgewerbe in diesem Land in absehbarer Zukunft überhaupt noch lohnt.
  2. Wir benötigen finanzielle Hilfen oder aber langfristige Steuervorteile die allen im Gastgewerbe helfen. Beides könnten auf Basis von ausgewiesenen Umsätzen oder gezahlten Steuern erfolgen. Steuerehrlichkeit muss belohnt werden. 

Mitarbeiter:

Selbstverständlich brauchen auch unsere großartigen Mitarbeiter Unterstützung. Nur: wenn ich ehrlich bin, weiß ich nicht ob wir da noch die richtigen Ansprechpartner sind. Derzeit ist bereits ein hoher Anteil der Mitarbeiter des Gastgewerbes in Kurzarbeit. Und „wir Beide“ wissen, dass das eine geschickte Lösung der Regierung war, die Arbeitslosenzahlen für ein paar Monate offiziell klein zu halten. Denn ein Großteil dieser Mitarbeiter wird leider nach dem derzeitigen Schaden, der durch das völlige Ignorieren des Gastgewerbes seitens des Staates entstanden ist, niemals mehr an ihren alten Arbeitsplatz zurückkehren können. Das gilt denke ich für viele Bereiche. Von der Kurzarbeit direkt in die Arbeitslosigkeit.
Reden wir also, ohne etwas beschönigen zu wollen, in den kommenden Jahren von 10+ Millionen Arbeitslosen? Und sicherlich von hoher Arbeitslosigkeit in den klassischen Gastronomie-Berufen. Meines Erachtens ist das Sache von Staat und Gewerkschaften hier Perspektiven zu schaffen. Aber wenn wir Unternehmer dabei helfen können, wird ein Großteil von uns das sicher gern tun, sofern er denn noch dazu in der Lage sein wird. Denn um an dieser Stelle helfen zu können, müssen wir erstmal überleben. Und im Gegensatz zu Staat und Gewerkschaften, könnten wir Unternehmen Steuergelder erwirtschaften. 

Konkretes Eröffnen für zum Beispiel Bars, Kneipen, Restaurants ab sofort, eine erste Idee:

  1. Gastronomie kann mit ca. 30-50% der bisherigen Gastkapazität geöffnet werden, Einzelheiten müssen ab sofort die Kommissionen der Kategorien erarbeiten und vorstellen)
  2. In der derzeitigen Phase sind Reservierungen und Anmeldung (Nachverfolgung) eventuell notwendig.
  3. Gästegruppen von zwei sind in der jetzigen Phase zulässig, Familien mit Kindern oder Personen eines gemeinsamen Haushalts ebenfalls. Später mehr. Der Mindestabstand zwischen unterschiedlichen Gäste-Gruppen muss gewährleistet sein. Im Einzelfall können gesonderte Schutzmaßnahmen und baulichen Besonderheiten den Mindestabstand minimieren (Trenner zwischen Gruppen) 
  4. Die Gäste tragen derzeit wie im Handel Mundschutz, bis sie an ihrem Platz angekommen sind, dort kann dieser abgenommen werden – hier erscheint mir auch noch der Verweis darauf wichtig, dass in der Gastronomie bereits hohe Anforderungen an den Luftaustausch bestehen.
  5. Das Personal trägt Mundschutz.
  6. Es werden überall und ausreichend Desinfektionsmittel zu Verfügung gestellt.

Natürlich erfordert ein Öffnen ein Gesamt-Hygiene-Konzept mit vielen kleinen Details. Hygienekonzepte sind generell Auflage in unserer Branche. Für Corona angepasste und nue entwickelte Konzepte liegen den Regierungen auch bereits vor. Hier sind Links zu den Entwürfen unserer Berufsgenossenschaft und der Dehoga, sowie einer Berliner Gastronomen Initiative. Eine detaillierte Ausführung an dieser Stelle wäre zu kleinteilig.

Wichtig ist nur: Ihr könnt uns nicht sieben Wochen komplett ignorieren, ungleich behandeln und in der Öffentlichkeit diffamieren. 

Unsere Türen müssen jetzt öffnen dürfen. Sofort. Mit Abstand. Und Ihr müsst mit uns sprechen statt über uns.

— 

Eine persönliche Meinung:

Ihr solltet dringend (!) einmal, am besten an einem sonnigen Tag, einen Spaziergang durch belebte Ecken eurer Stadt machen. Die Straßen und Plätze sind voll mit Menschen. Sie stehen mit 2 Meter Abstand an den Eisdielen an, holen sich hier und da ein kleines „to go“, sitzen auf den Straßen und versuchen das Beste aus der Situation zu machen. Warum ich darauf verweise? Die Bürger dieses Landes sind mündig! Das sollte nicht vergessen oder angezweifelt werden, man sollte darauf sogar stolz sein. Sie handeln diese Situation seit Wochen sehr gut. Besser als Ihr es ihnen in der Öffentlichkeit zutraut. Die Realität ist, Menschen treffen sich öffentlich und privat seit Wochen mehr als Ihr es in der Theorie annehmt. Und was macht das in den Zahlen aus? Meine Vermutung – Nichts. Das geht nämlich mit Abstand und lässt doch die Infektions- und Todeszahl nicht dramatisch ansteigen, oder?

Mein Vorschlag ist, verlast mal eure täglichen Wissenschaftsstammtische und taucht in die Realität ein. Und grüßt uns Bürger mal freundlich. Ich finde, Ihr habt uns in der letzten Zeit wenig zugetraut und viel bevormundet.

Eine letzte große Frage: Warum wird mit aller Gewalt dieses Land wirtschaftlich gegen die Wand gefahren? Ich verstehe es nicht. Wo ist der Weg, der die Wirtschaft nicht komplett tötet? Gut, die kommende Rezession könnt Ihr allein in den kommenden Jahren in einer globalen Wirtschaft nicht aufhalten. Aber warum Ihr wissentlich und willentlich die Wirtschaftsleistung dieses Landes zerstört und damit auf lange Sicht für Massenarbeitslosigkeit, soziale Unruhen und Armut sorgt, erklärt sich mir schlicht nicht.  Mit den aktuellen Maßnahmen fahrt Ihr gerade die junge Generation dieses Landes und deren Zukunftsperspektiven vor die Wand!

Ich habe vier Unternehmen. Keines von denen macht derzeit Umsatz. Ich selber, anders als Angestellte, habe keinen Anspruch auf irgendetwas. Das einzige was ich verlange ist eine Perspektive, damit kann ich leben und werde daraus wieder etwas machen. 

Aber als Vater von drei tollen Kindern (6, 10 und 13 Jahre alt) frage ich mich wirklich, warum Ihr die Zukunft dieser jungen Generation komplett vernichtet? Ist das solidarisch? 

Das lässt mich verzweifeln! 


Links:

https://www.tageskarte.io/zahlen/detail/altmaier-kein-arbeitsplatz-muss-wegen-corona-verloren-gehen.html

Markus Soeder: https://www.sueddeutsche.de/gesundheit/gesundheit-muenchen-laschet-und-soeder-alkohol-erschwert-gastronomie-lockerung-dpa.urn-newsml-dpa-com-20090101-200430-99-899609

DeHoGa , erwartete Pleiten und Anzahl der Betriebe / Umsatz im Gastgewerbe https://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/coronavirus-krise-70-000-hotel-und-gastronomiebetrieben-droht-offenbar-die-insolvenz-a-69a041e9-fc90

BGN https://www.bgn.de/corona/


DehoGa https://www.dehoga-bundesverband.de/presse-news/aktuelles/dehoga-informiert-coronavirus/


Hygiene Konzept Susanne Baro Fernández (Berlin)

https://documentcloud.adobe.com/link/review/?fbclid=IwAR2Gtkwm43DTUJkt3WSYw–KOyY18J7sPoY-kGIWSiqTW9Nx2rB6-WBFhFg&uri=urn%3Aaaid%3Ascds%3AUS%3A7e6cbee7-361c-47ed-9265-74d43a957c31&pageNum=1

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